Die einzigartige Reptilienfauna der Galápagos-Inseln

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In den meisten Teilen der Welt stellen die Säugetiere die dominanten landlebenden Wirbeltiere dar. Auf den Inseln des Galápagos-Archipels ist dies nicht der Fall. Hier dominieren die Reptilien. Der Grund dürfte vor allem darin liegen, dass die Inseln niemals mit dem Festland verbunden waren. Eine Besiedlung fand (vermutlich vor 2-3 Millionen Jahren beginnend) vom südamerikanischen Subkontinent aus statt, der etwa 1.000 Kilometer östlich liegt. Für Säugetiere mit ihrem hohen Wasserbedarf stellt dies eine quasi unüberwindbare Barriere dar. Reptilien, von Schwimmflößen getragen, können hingegen eine längere Zeit ohne Wasser überdauern.

  Grüner Leguan in Guayaquil/Ecuador (07.05.2018)

Guayaquil, 7. Mai 2018. Vor etwa 2 Stunden bin ich wieder in Ecuador gelandet. 15 Tage Galápagos liegen hinter mir. Ein Jugendtraum. Ich sitze mit meinen Chickenwings in der Resaca Bar am Rio Guayas und schaue aufs Wasser. Vor mir in den Bäumen am Ufer tummeln sich dutzende Grüne Leguane (Iguana iguana).

Sollten Sie herunterfallen, so landen sie direkt im Fluss und werden von der Strömung weggetragen. Da sie gut schwimmen können, dürften es die meisten wieder ans Ufer schaffen. Oder sie landen auf einer der unzähligen Schwimmpflanzeninseln die flussabwärts treiben … erst in Richtung Süden und dann hinaus aufs Meer.  

Entlang der südamerikanischen Küste fließt der kalte Humboldt-Strom von Süden nach Norden. Auf Höhe des Äquators wechselt er die Fließrichtung und wird zum Südäquatorialstrom, der die Galapagos-Inseln von Südosten kommend umspült.

„So, oder so ähnlich, könnte es passiert sein“, denke ich mir. „Tausende male, vielleicht hunderttausendfach … oder noch öfter“, bis sich eine eigenständige Population von Leguanen auf einer oder mehreren Inseln etabliert und angepasst hat.

Meerechsen und Landleguane

Grundsätzlich lassen sich zwei Leguangattungen auf dem Archipel unterscheiden. Die Meerechsen mit einer Art (Amblyrhynchus cristatus) und die Landleguane mit drei Arten: dem am weitesten verbreiteten Drusenkopf (Conolophus subcristatus), dem Santa Fé Landleguan (Conolophus pallidus), der nur auf der namensgebenden Insel vorkommt, und einem erst vor wenigen Jahren beschriebenen pinkfarbenen Landleguan (Conolophus marthae) mit einer Population von wahrscheinlich nicht mehr als 100 Tieren hoch oben auf dem Vulkan Wolf auf der Insel Isabela. Dafür, dass Meerechsen und Landleguane einen gemeinsamen Vorfahren haben, spricht u.a. die Tatsache, dass es Hybride zwischen beiden gibt, die allerdings steril und wahrscheinlich auch nur kurzlebig sind.

Beste Beobachtungsmöglichkeiten für Drusenköpfe gibt es auf den kleinen Inseln North Seymour und South Plaza im Zentrum des Archipels. Die Population auf North Seymour stammt von im Jahr 1930 eingeführten Tieren der südlichen Nachbarinsel Baltra ab – gerade noch rechtzeitig vor deren dortiger Ausrottung. Heute wird der umgekehrte Weg beschritten und Baltra wird mit Landleguanen aus North Seymour rückbesiedelt. Baltra (South Seymour) diente lange Zeit vorwiegend als Militärstützpunkt. Daneben gibt es dort den (recht modernen) kleinen Flughafen und einen noch viel kleineren Hafen. Von dort aus legten wir am frühen Nachmittag des 23.04.2018 mit dem Motorkatamaran ab, der für die nächsten 2 Wochen mein „Zuhause“ sein sollte. Die beste Art auf Galápagos zu reisen (jedenfalls als naturbegeisterter Biologe, der möglichst viel entdecken will) ist eine Kreuzfahrt zwischen den betretbaren Inseln.

Drusenkopf auf North-Seymour (23.04.2018)    

„Kreuzfahrt“ hört sich dabei schlimm an, ist es aber keineswegs – die Schiffe sind meist klein mit maximal 16 Personen plus Mannschaft. Der Tourismus ist auf effektive Art und Weise reglementiert und gelenkt. Jede Insel verfügt über nur einen oder wenige Punkte, die unter Begleitung eines von der Nationalparkverwaltung autorisierten „guides“ betreten werden dürfen – und das auch nur in einem vorher genehmigten Zeitfenster. Sich selbständig irgendwo hin zu bewegen geht außerhalb der wenigen Ortschaften nahezu gar nicht. Und das ist gut so – sieht man doch auf den ausgewählten und begleiteten Routen alles, was die Inseln so einzigartig macht. Und dies kann nur so bleiben, wenn die Besucher gezielt geführt werden, was meines Erachtens hier vorbildlich gelingt. Doch zurück zu den Reptilien. 

  Drüsenkopf auf South Plaza (01.05.2018)

  Drusenkopf auf South Plaza (01.05.2018)

Von Baltra führte uns eine erste kurze Überfahrt noch am Ankunftstag auf die Nachbarinsel North Seymour – und die ersten Reptilien, die uns bereits nach wenigen Minuten begegneten, waren Drusenköpfe, eindrucksvolle Landleguane mit bis zu 1,20 Meter Körperlänge und einem Gewicht bis zu 13 Kilogramm. Die Tiere leben meist in kleinen Kolonien, wobei die Männchen ein abgestecktes Territorium verteidigen. Die Lieblingsspeise besteht aus Kaktusfeigen. Sobald eine zu Boden fällt, kommen meist gleich mehrere Drusenköpfe angelaufen, um die Köstlichkeit für sich zu beanspruchen. Dabei kann es durchaus zu Rangeleien kommen. Bevor die Kakteenteile verzehrt werden, rollt der Drusenkopf diese über den Boden, um sie von groben Stacheln zu befreien. Doch auch mit Stacheln werden die Kaktusfeigen genüsslich verspeist. Daneben werden auch gerne sukkulente Pflanzen gefressen. 

Neben North Seymour sind Drusenköpfe auch auf South Plaza gut zu beobachten. Vorkommen gibt es auch auf Santa Cruz, Isabela und Fernandina. Allerdings sind diese Inseln sehr groß und weitläufig. Auf Santa Fé, einer ebenfalls vergleichweise kleinen Insel im Zentrum des Galápagos-Archipels, hat sich eine eigene Landleguanart herausgebildet. Im Gegensatz zu den meist leuchtend gelb bis ockerfarbenen Drusenköpfen ist der Santa Fé Landleguan eher blass gelb bis braun. Ihr Verhalten und die Habitatansprüche sind aber durchaus ähnlich und die enge Verwandtschaft ist leicht zu erkennen.

  (01.05.2018) Der Santa Fé Landleguan unterscheidet sich deutlich vom Drusenkopf .

Die dritte Art (Conolophus marthae) wurde erst 1986 entdeckt, lange Zeit aber nicht für eine eigene Art gehalten. Erst 2009 erfolgte die Artbeschreibung. Dieser pinkfarbene Landleguan lebt isoliert auf dem Vulkan Wolf, dem nördlichsten der fünf Vulkane auf Isabela, der genau auf dem Äquator liegt. Während sich an den Hängen der Vulkane Vegetation ausbreiten konnte, die Leben ermöglicht, befinden sich zwischen den Vulkanen riesige Lavafelder, die für Leguane kaum und für Riesenschildkröten gar nicht zu überwinden sind. Aus diesem Grund gibt es auf der großen Insel Isabela im Westen des Galápagos-Archipels auch fünf voneinander getrennte Arten an Riesenschildkröten, die dem jeweiligen Vulkan zuzuordnen sind. Aber dazu später mehr.

Zwischen den mit Vegetation bestandenen Vulkanen auf Isabela befinden sich riesige, kaum zu überwindende Lavafelder, die zur Isolation von Populationen und zur Artbildung beigetragen haben (Tagus Cove/Isabela, 06.05.2018).

Wen die Landleguane beeindrucken, der kommt bei den Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus) erst recht nicht mehr aus dem Staunen heraus. Vorkommen gibt es entlang der Küsten nahezu aller Inseln des Archipels. Was diese Tiere absolut einzigartig macht, ist ihre (während der Nahrungsaufnahme) marine Lebensweise. Die Nahrungsaufnahme erfolgt vorwiegend durch Abweiden unterseeischer Algenrasen in Tiefen bis zu 10 Meter. Ich konnte dieses außergewöhnliche Verhalten vor der Insel Fernandina, der jüngsten und westlichsten der Galápagos-Inseln, bei einem Schnorchelgang hautnah erleben. Die Meerechsen auf Fernandina zählen mit über 1,50 Meter zu den Größten ihrer Art und eine Begegnung unter Wasser hat etwas absolut Unwirkliches; ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis.

Der Körper der Meerechsen kühlt im kalten Wasser schnell aus, weshalb ein Tauchgang nur wenige Minuten dauert. Nach der Rückkehr an Land muss sich die Meerechse wieder über einen längeren Zeitraum aufwärmen. Das mit der Nahrung aufgenommene überschüssige Salz wird über die Nasenlöcher ausgeschnupft. Meerechsenkolonien sind daher stets in einen feinen Salznebel getaucht.

Derzeit werden 7 Unterarten unterschieden (vgl. z.B. Fitter et al. 2016, Swash & Still 2017), die in ihrer Größe und Färbung teils beträchtlich differieren. Die kleinste Unterart – Amblyrhynchus cristatus nanus – kommt auf der ganz im Nordosten des Archipels gelegenen Insel Genovesa vor, die ich am zweiten Tag der Reise, dem 24.04.2018, besuchte. Die Echsen sind nur zwischen 60 und 75 cm groß und sehr dunkel. Auch auf Espanola, ganz im Südosten des Galápagos-Archipels, sind die Meerechsen (hier mit der Unterart A. c. venustissimus) recht klein, dafür aber ausgesprochen farbig mit strahlenden Rot- und Grünblautönen.

Die größte Meerechsen-Unterart gibt es auf Isabela (A. c. albemarlensis). Die Männchen erreichen gut und gerne 1,50 Meter. Die Weibchen bleiben (bei allen Unterarten) kleiner. Nah verwand und ähnlich groß, dennoch als eigene Unterart A. c. cristatus beschrieben, sind die Meerechsen auf der Nachbarinsel Fernandina. Auf Santa Cruz, der Zentralinsel des Archipels, kommt die Unterart A. c. hassivor. Eine kleine Kolonie gibt es z.B. direkt an der Küste hinter der Charles Darwin Research Station in Puerto Ayora. Die Unterart A. c. mertensi gibt es auf Santiago (welche ich am 25.04.2018 besuchte) und San Cristobal (29. und 30.04.2018). Die siebte Unterart A. c. sielmanni kommt auf Pinta vor, eine der wenigen Inseln, die wir nicht ansteuerten.

Meerechsen leben in Kolonien von einigen wenigen bis über 1.000 Tieren zusammen (Isabela 05.05.2018).

Meerechsen sind Wanderer zwischen Land und Meer (Isabela 04.05.2018).

Die Bestände der Meerechsen sind erheblich rückläufig. Dies liegt im Wesentlichen an einer Häufung des alle paar Jahre auftretenden Klimaphänomens „El Nino“ im Zuge der weltklimatischen Veränderungen. In einem „El-Nino-Jahr“ kommt es zu einer Veränderung des ansonsten ausgewogenen Systems von Hoch- und Tiefdruckgebieten zwischen Südamerika und Australien. Im Zuge dessen verändern sich auch die Meeresströmungen und der kalte Humboldtstrom wird abgeleitet. Das Meer erwärmt sich und die Nahrungskette bricht zusammen. Passiert dies nur alle paar Jahre, so können sich die Bestände erholen. Häufen sich hingegen die „El-Nino-Jahre“, wie dies in den letzten Jahren zu beobachten ist, ist eine Erholung nicht möglich. Den Meerechsen – als ein Beispiel – fehlt dann schlicht die Nahrungsgrundlage im Meer und die Tiere verhungern. Die Reproduktionsraten brechen ein und die Bestände sinken. Die Folgen des weltweiten Klimawandels sind somit auch auf den Galápagos-Inseln massiv spürbar.

Lava-Echsen

Neben den auf dem Galápagos-Archipel endemischen Landleguanen (3 Arten) und den Meerechsen (eine Art), die in die Familie der Leguane (Iguanidae) gestellt werden, kommt mit der Lavaechse (Microlophus spp.) eine weitere Artengruppe (mit 7 Arten) vor, die zu den Leguanartigen (Iguania) zählt und der Familie der Kielschwanzleguane (Tropiduridae) zugeordnet wird. Lavaechsen sind auf den Inseln allgegenwärtig. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, huschen sie einem über den Weg. Die auf Baltra (der Insel mit dem Hauptflughafen) vorkommende Art ist Microlophus albemarlensis, die mit Abstand am meisten verbreitete Art. Sie kommt neben Baltra auf den Inseln Isabela, Santa Cruz, Fernandina, Santiago, Santa Fé, North Seymour, Daphne Major, South Plaza und Rabida vor.

Nur wenige hundert Meter von Santiago entfernt liegt die kleine Insel Bartholomé. Auf ihr haben sich die ansonsten vorrangig von kleinen Insekten ernährenden Lava-Echsen in Anpassung an die knappe Nahrung auf das Vertilgen von Blüten der kleinen Kriechpflanze Tiquilia nesiotica spezialisiert. Auf Fernandina konnte ich Microlophus albemarlensis hingegen dabei beobachten, wie sie gezielt Meerechsen aufsuchten, um auf ihnen nach Fliegen zu jagen. 

Neben der am weitesten verbreiteten Galápagos-Lavaechse M. albemarlensis kommen sechs weitere Arten vor, die jeweils einer Insel zuzuordnen sind: die Espanola-Lavaechse (M. delanonis), die Floreana-Lavaechse (M. grayi), die Marchena-Lavaechse (M. habellii), die Pinta-Lavaechse (M. pacificus), die Pinzon-Lavaechse (M. duncanensis) und die San Cristóbal-Lavaechse (M. bivattatus).

Schlangen und Geckos

Die nächsten beiden Artengruppen kann und muss ich sehr schnell abhandeln, da ich sie schlichtweg nicht gesehen habe. Dies sind zum einen die Schlangen und zum zweiten die Geckos. Mich tröstete in diesem Zusammenhang, dass unser seit vielen Jahren tätige Guide berichtete, dass er in all den Jahren seiner Tätigkeit erst dreimal eine Schlange gesehen hat. Auch die Systematiker scheinen sich nicht einig zu sein, denn in der gängigen Bestimmungsliteratur herrscht ein ziemliches durcheinander.

Gemäß Fitter et al. (2016) soll es vier endemische Arten geben: den nur auf Espanola vorkommenden Hood-Racer (Philodryas hoodensis), die Gebänderte Galápapos-Schlange (Alsophis slevini), die Gestreifte Galapagos-Schlange (Alsophis steindachneri) und der Galapagos-Racer (Alsophis biseralis). Swash & Still (2017) zeigen eine andere Auflistung mit verschiedenen Unterarten, die ich hier nicht im Einzelnen wiedergebe. Bei den Geckos werden sieben endemische Arten aus der Gattung Phyllodactylus beschrieben (eine davon gilt als ausgestorben) und drei eingeführte Arten. Dass mir diese hübschen Tiere nicht begegnet sind, mag der Tatsache geschuldet sein, dass ich auf einem Schiff untergebracht war und viele Geckoarten in Siedlungsnähe vorkommen. Ein Hotelzimmer wäre wahrscheinlich mit größeren Chancen auf Geckos verbunden gewesen – allerdings hätte ich dann vieles andere verpasst.

Landschildkröten

Kommen wir nun zu den Tieren, die die Galápagos-Inseln so bekannt, ja berühmt gemacht haben, und denen die Inselgruppe ihren Namen verdankt: die Riesenschildkröten. Das spanische Wort „Galapago“ beschreibt einen wulstigen Sattel, eben so wie er für einige Unterarten der Galapagos Riesenschildkröte (Chelonoides nigra) charakteristisch ist. Es ist gleichsam ein altes spanisches Wort für Schildkröte. Ob es sich um Unterarten oder gar eigene Arten handelt, darüber streiten die Gelehrten. Auch die Zahl der Arten/Unterarten wird unterschiedlich mit 14 oder 15 angegeben. Immerhin scheint sicher, dass hiervon mindestens 10 Arten noch existieren, während die übrigen Arten als ausgestorben gelten. Eine entgegen einer lange gehegten Meinung möglicherweise doch überlebende Art/Unterart ist C. abingdoni/C. n. abingdoni, die Pinta-Riesenschildkröte. Deren bekanntester, vermeintlich letzter Vertreter, „Lonesome George“ genannt, starb 2012. Mittlerweile hat man aber auf der Insel Isabela (also abseits von Pinta) 17 Tiere genetisch identifizieren können, die der Pinta-Riesenschildkröte quasi entsprechen. Bekanntermaßen wurden Riesenschildkröten von Seeleuten auf verschiedene Inseln gebracht (was u.a. zu Hybridisierungen geführt hat, die das Ganze noch komplizierter machen), v.a. auf die große Insel Isabela. Während es auf Pinta selbst also keine Riesenschildkröten dieser Art/Unterart mehr gibt, könnten auf Isabela einige Tiere überlebt haben.

Überhaupt ist Isabela die vielleicht interessanteste Insel des Archipels, was die Riesenschildkröten angeht. Auf der Insel gibt es fünf Vulkane: von Norden nach Süden Wolf, Darwin, Alcedo, Sierra Negra und Cerro Azul. Und jeder Vulkan hat seine eigene Riesenschildkrötenart/-unterart: C. n. becki – Wolf; C. n. microphyes – Darwin; C. n. vandenburghi– Alcedo; C. n. guntheri– Sierra-Negra; C. n. vicina– Cerro Azul. Die Populationen sind vollständig voneinander getrennt, da die zwischen den Vulkanen liegenden großfelsigen Lavafelder, die eine Ausdehnung von 15 Kilometern erreichen können, eine unüberwindbare Barriere für die Schildkröten darstellen. Auch morphologisch sind die Arten/Unterarten nicht einheitlich. Es kommt sowohl die (hochrückige) Sattelrückenform vor (C. n. becki), als auch die (flachrückige) Kuppelform (C. n. guntheri, C. n. vandenburghi, C. n. microphyes) und auch eine intermediäre Form (C. n. vicina).

Espanola-Riesenschildkröten (Chelonoides (nigra) hoodensis) im Charles Darwin Forschungszentrum auf Santa Cruz. Charakteristisch ist die extrem ausgeprägte Sattelform (26.04.2018).

Neben Isabela gibt es heute noch wild lebende Riesenschildkröten auf den Inseln Santiago, Santa Cruz, Pinzon, San Cristobal und Espanola (ursprünglich waren 10 Inseln besiedelt). Die ausgeprägteste Sattelform zeigt die Espanola-Riesenschildkröte (C. n. hoodensis). Die Art/Unterart wäre fast ausgestorben.

1964 wurden noch 3 Männchen und 12 Weibchen gefunden. Diese wurden 1965 in das Charles Darwin Forschungszentrum auf Santa Cruz gebracht. Nach guten Zuchterfolgen konnten Tiere nach Espanola zurückgebracht werden, die sich mittlerweile wieder im Freiland vermehren. Die Population auf Espanola beträgt nunmehr wieder über 800 Riesenschildkröten.

Das Gegenstück zur Espanola-Riesenschildkröte in puncto Rückenpanzerform ist die auf Santa Cruz heimische Chelonoides (nigra) porteri. Im vegetationsreichen Hochland von Santa Cruz können die Tiere die Nahrung vorwiegend vom Boden aufnehmen. In vegetationsarmen, ariden Gebieten ist es hingegen von Vorteil (oder eine biologische Notwendigkeit), wenn die Schildkröte mit dem Kopf weit nach oben gelangen kann, um Nahrung von Sträuchern o.ä. aufzunehmen. Solche Arten/Unterarten haben einen ausgeprägten Sattel.

Wildlebende Santa Cruz Riesenschildkröte mit flachem Panzer im Hochland von Santa Cruz. Die Tiere lieben Schlammbäder (26.04.2018).

Von den ursprünglich wahrscheinlich ca. 150.000 Riesenschildkröten auf dem Galápagos-Archipel gibt es heute, nach intensivsten Zuchtbemühungen, noch (oder besser wieder) etwa 20.000 Tiere. Faktoren für die starke Dezimierung, die einige Arten/Unterarten zum Aussterben gebracht und andere extrem dezimiert haben, waren vieltausendfache Tötungen (geschätzt über 100.000!) durch Piraten und Walfänger (die die Tiere als langlebigen Proviant mit an Bord nahmen) sowie eingeschleppte Arten wie Hunde, Schweine und Ratten, die den Nachwuchs dezimieren und Ziegen, die als Nahrungskonkurrenten auftreten. Neben den gezielten Nachzuchten zielen die Schutzbemühungen heute darauf ab, Prädatoren und Nahrungskonkurrenten „auszuschalten“.

Auf Isabela wurden in einer groß angelegten Aktion alle freilebenden Ziegen getötet, wodurch sich die Schildkrötenbestände erheblich stabilisieren konnten. Die größte Population gibt es auf dem Vulcan Alcedo mit über 6.000 Tieren; auf Isabela leben insgesamt über 16.000 Tiere mit den fünf beschriebenen Arten/Unterarten. Die sehr kleine Insel Pinzon beheimatet gut 500 Tiere von Chelonoides (nigra) ephippium. Weitere Arten/Unterarten sind Chelonoides (nigra) chathamensis auf San Cristobal und Chelonoides (nigra) darwini auf Santiago. Zuchtstationen gibt es nicht nur auf Santa Cruz, sondern auch auf Isabela, San Cristobal und Floreana, ganz im Süden des Archipels. Auf Floreana kam ursprünglich Chelonoides (nigra) nigra vor, die aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet war.

Die San-Cristobal-Riesenschildkröte (Chelonoides (nigra) chathamensis) stellt hinsichtlich des Panzers eine intermediäre Form zwischen den extrem sattelförmigen und den flachen Formen dar (San Cristobal 30.04.2018).

Galapagos-Riesenschildkröten wurden mittlerweile wieder vieltausendfach nachgezüchtet; hier in einer Station auf der Insel Isabela (04.05.2018).

Fazit: Dank umfangreichster Schutzbemühungen konnten die meisten Arten/Unterarten der Galápagos-Riesenschildkröte erhalten und im Bestand stabilisiert werden. Dies dauerhaft zu gewährleisten stellt aber auch in Zukunft eine große Herausforderung dar.

Meeresschildkröten

Zum Schluss des Reiseberichtes geht es noch einmal zurück ins Meer. Nahezu täglich konnte man sie vom Boot oder vom Strand aus beobachten: Grüne (oder Schwarze) Meeresschildkröten (Chelonia mydas). Der Name ist etwas verwirrend, denn neben den fast schwarzen Grüntönen kommen auch Tiere mit sehr attraktiven Braugelbtönen vor. Die Farbe bezieht sich im Übrigen auf den Rückenpanzer. Der Höhepunkt der Reise war für mich der bereits erwähnte Schnorchelgang zu den Meerechsen vor Fernandina. Ganz nebenbei umkreisten mich dabei bis zu 5 Grüne Meeresschildkröten in einer Armlänge Entfernung. Dieses und viele weitere Erlebnisse machten meinen Besuch auf den Galápagos-Inseln zu einer unvergesslichen Reise.

Zwei völlig unterschiedlich gefärbte „Grüne“ Meeresschildkröten (Chelonia mydas) am Strand von Fernandina (06.05.2018).

Literatur:

Fitter, J., D. Fitter & D. Hosking (2016):Wildlife of the Galápagos. Second Edition. Princeton University Press. Princeton and Oxford.

Swash, A. & R. Still (2017):Birds, Mammals & Reptiles of the Galápagos Islands. Second Edition. Published by Christopher Helm, London, an imprint of Bloomsbury Publishing an WILDGuides Ltd.

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